Bohnenernte. Frisch aus dem Garten schmeckt die Hülsenfrucht am besten.

Von Maulwürfen und anderen Missverständnissen

Hanna und Ruth heißen die beiden Schwestern, auf deren Farm ich die ersten Augustwochen verbracht habe. Das hieß Alpakas füttern, Pflanzen gießen, Eier einsammeln. Vor allem aber hatte ich viel Zeit, die wunderschöne Vancouver Island zu erkunden. Was das mit Maulwürfen zu tun hat? Nun…

 

Ein Schlachtfeld war das, möchte ich sagen. Marie, eine Wwoferin aus Frankreich und ich, standen eines morgens jedenfalls mit offenen Mündern am Ende der Treppe, die ins Wohnzimmer führt. Vier Hunde warteten da mit verschämtem Hundeblick aber fröhlich schwanzwedelnd und mit der Nase gegen unsere Knie stupsend, wohl wissend, dass es bald Futter gibt – trotz des Chaos, das sie angerichtet haben. Hanna und Ruth, die beiden Gastgeberschwestern, hatten am Vorabend die letzte Fähre vom Festland verpasst. Marie und ich waren da längst im Bett und konnten die Hunde vor der Nacht nicht mehr rauslassen. Tja, und da wussten sich die vier nicht anders zu helfen, als ihre Geschäfte im Wohnzimmer zu erledigen. Uff!

Ich bin Marie bis heute dankbar, dass sie sich des Gröbsten angenommen hat, während ich die übliche Morgenrunde übernommen habe: Alpakas und Hühner füttern, Eier einsammeln und den Blumengarten gießen. Nun, als wäre das Kack-Chaos nicht schon genug gewesen: Wenig später am Morgen fanden wir auf dem Gehweg ein totes Maultier. So habe ich es zumindest am Abend unserer Gastgeberin erzählt. Sie hatte vermutlich einen ähnlich verwundert-erschrockenen Blick wie ihr gerade… Wo der denn hergekommen sei, wollte sie wissen. „Keine Ahnung“, antwortete ich, und dachte, was für eine blöde Frage das doch ist, leben die kleinen Tierchen schließlich überall in Gärten. Wo er denn jetzt sei, wollte Hanna wissen, und Französin Marie erklärte, sie habe sich darum gekümmert. Hannas Augen wurden immer größer…

Ein Buchstabe macht den Unterschied
Ich kläre mal auf… „Mule“ ist das englische Wort für Maultier. Vom toten „mule“ hatten wir Hanna erzählt. Gefunden hatten wir allerdings einen toten Maulwurf, Englisch: mole. Ein Buchstabe macht den Unterschied. Nun, wir haben Tränen gelacht ob des sprachlichen Verwechslers. ?

Und auch so hatten Marie und ich sehr viel Spaß. Während die beiden Gastgeberschwestern arbeiten waren, haben wir frisch geerntete Bohnen aus dem Garten gekocht, Himbeeren gepflückt, gemeinsam musiziert, mit den Hunden gespielt, die Veranda gestrichen, Alpaka- und Hühnerställe ausgemistet und Unkraut gezupft. Vor allem aber haben wir gemeinsam die Insel erkundet. Für Wwoofer gab’s nämlich ein eigenes Auto, das wir an freien Nachmittagen und Wochenende nutzen konnten. Ein Luxus, denn Vancouver Island ist landschaftlich geradezu ein Paradies auf Erden. Deshalb gibt’s zur Insel bald einen eigenen Beitrag.

Mit dem Besuch auf Vancouver Island ging meine Zeit als Wwoofer zu Ende. Mein Fazit: Mit Ausnahme der letzten Station habe ich auf allen Höfen deutlich mehr gearbeitet, als ich erwartet hatte und als Wwoof empfiehlt. Meistens hatte ich genauso viele oder mehr Stunden wie in einer regulären Arbeitswoche zuhause. Das hatte ich mir ehrlich gesagt etwas anders vorgestellt. Aber: Das war es allemal wert. Ich hatte unglaublich nette Gastgeber mit denen ich bis heute regelmäßig in Kontakt bin, ich konnte Kanada ganz anders kennenlernen als ein regulärer Tourist und viel mehr über Kultur und Geschichte erfahren. Vor allem aber habe ich wahnsinnig viel gelernt und nicht zuletzt auch meine Einstellung zu Lebensmitteln geändert. Dass in jeder Tomate – egal, ob das Gemüse aus Massen- oder biologischem Anbau stammt – mit Gießen und Düngen viel Arbeit steckt, war mir irgendwie klar. Nachdem ich aber mit meinen eigenen Händen daran gearbeitet habe, ist meine Wertschätzung gegenüber Lebensmitteln noch einmal eine andere geworden. Während ich als Jugendliche absolut null Interesse an Gartenarbeit hatte, habe ich nun gelernt, wieviel Spaß ein Gemüsegarten machen kann. So hoffe ich nun sehr, dass ich nach meinem Reisejahr einem neuen Hobby nachgehen kann.

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