Mit Ganbei, Chiyo und Prost stoßen wor auf den Beginn des neuen Jahrs der Ratte an.

Wenn Chinesen und Thais gemeinsam Neujahr feiern

Eigentlich wollte ich nur ein paar Dumplings essen. Darauf hatte ich mich schon den ganzen Tag gefreut. Der Abend nahm jedoch ein unerwartetes Ende.

 

Rappelvoll. Beide Restaurants, die ich mir ausgesucht hatte. Dabei ist das mein vorerst letzter Abend in Chiang Mai – und mein vorerst letzter Abend mit Abendessen. Am nächsten Tag geht‘s auf zu einer Woche meditieren im buddhistischen Tempel. Und dort wird nach mittags nichts mehr gegessen. Aber kein Wunder, dass alle Tische besetzt sind: Einheimische und Touristen feiern an diesem 25. Januar das chinesische Neujahrsfest.

Ich wandere ein wenig ziellos durch die bereits dunklen, nur vom orangen Licht der Laternen beleuchteten Straßen – bis ich auf einen jungen Koch aufmerksam werde, der an der Frontseite eines Cafés seinen Wok aufgebaut hat. Ich bin neugierig, schaue zu, wie er Hühnchen und frische grüne Bohnen in einer Marinade schwenkt. Mmmh… Lecker sieht das aus. Aber er schüttelt den Kopf. „Das ist das Personalessen“, gibt er mir zu verstehen. Nun, blöd. Ich nehme dennoch Platz in dem kleinen Laden, bestelle ein paar Dumplings und ein Bier.

So viele unterschiedliche Gerichte - und alles wird geteilt.
So viele unterschiedliche Gerichte – und alles wird geteilt.

Immer mehr junge Chinesen und Thais etwa Mitte/Ende 20 kommen in das Café, blicken neugierig in den Wok, füllen Reis in Schüsseln, braten Hühnerleber und Garnelen, angeln mit ihren Stäbchen nach einem Stück aus dem Wok, würzen mit großer Geste und viel Liebe nach. Schale um Schale voller gut duftendem Essen wandern in das Hinterzimmer. Personal müsste man sein, denke ich und schlucke gerade den letzten Bissen meines Dumplings herunter, als sich einer der jungen Thais zu mir an den Tisch setzt. Sie alle seien Kommilitonen, erklärt er, die meisten von ihnen studieren Englisch und wollen Lehrer werden. Da bin ich eine willkommene Gelegenheit, die Sprache in der Praxis auszuprobieren. Und heute Abend feiern sie eben gemeinsam den Start ins neue Jahr, sagt er, während sich einer seiner Freunde zu uns setzt.

Jeder von ihnen habe ein Gericht gekocht, berichtet der junge Thai. Ich muss an die Chinesinnen denken, die mich in Toronto zum Abendessen eingeladen haben. Auch da hat jede ein eigenes Gericht beigetragen. Scheint eine Art Tradition zu ein. Ebenfalls Tradition zu sein scheint, dass man Menschen einfach so zum Essen dazu einlädt.

„Iss doch einfach mit“, sagen meine neuen Thai-Freunde, und ehe ich mich versehe, habe ich eine Schüssel, Stäbchen und ein weiteres Glas Chang-Bier in der Hand. Ein Mann aus der Schweiz ist ebenfalls zur Gruppe dazugekommen. Wir stoßen an, rufen Ganbei, Chiyo und Prost. Schüsseln werden herumgereicht. „Hast du das schon probiert“, fragt eine der jungen Frauen und schiebt mir Schälchen mit Hühnerleber in Gemüse und Soße zu.

Nun, was soll ich sagen? Ich bin ja eigentlich schon satt. Aber bei all den leckeren Gerüchen kann ich natürlich nicht widerstehen. Zum Glück, denn es ist sooo lecker.

Glückliche Gesichter. Foto: privat
Glückliche Gesichter. Foto: privat

Es wird spät an diesem Abend. Müde laufe ich irgendwann zurück zum Hostel, laufe bierbeschwingt vorbei am Thapae Gate und genieße die warme Abendluft und. Welch ein Glück ich doch habe, denke ich mir, und wie dankbar ich sein kann. Welch ein außergewöhnlicher Abend. Das Universum meint es erneut gut mit mir.

Random Acts of Kindness – Freundlich sein, einfach nur so
Ich habe auf meinen Reisen zwei Dinge gelernt:
1. Oft geben diejenigen am meisten, die selbst am wenigsten haben.
2. Es gibt überall freundliche Menschen.
Hinter selbstlosem Handeln steht oft eine Geschichte. Sie verdient es, erzählt und gesammelt zu werden als Random Acts of Kindness.
Inspiriert von @TheKindnessGuy

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