Fear seems to be something people don't like to talk about. Photo: archive

Was mich niemand gefragt hat

Teil II der FAQs – mit einer Frage, die mir niemand außer mir selbst gestellt hat. Die zu beantworten aber mehr Raum einnimmt, als alle Top-10-Fragen zusammen: Hast du Zweifel/Angst?

Es gab mehr als eine Nacht, in der ich senkrecht im Bett gesessen habe, jäh aus dem Schlaf aufgeschreckt, mich selbst fragend: „Bist Du eigentlich völlig bekloppt?“ Alles aufgeben, meine Freunde, meinen Job, meine Wohnung, das komfortable Leben, wie ich es bisher geführt habe? In solchen Momenten habe ich mich selbst beruhigt, habe mein Kopfkissen ausgeschüttelt, mich umgedreht und mir bewusst gemacht: Ich gebe nicht auf, ich mache nur Pause, um Neues zu entdecken. Ich werde so viele spannende Dinge sehen, ich werde Menschen treffen, interessante Geschichten hören, Neues lernen. Und dank Internet und Social Media sind auch meine Freunde immer irgendwie dabei.

Es gab auch Tage, an denen ich Angst hatte. Nicht vor der Reise selbst, sondern eher vor dem, was danach kommt. Was, wenn ich nicht schnell genug einen neuen Job finde? Wenn ich nie wieder einen Job finde? Wenn mich niemand einstellen will, weil ich irgendwie zu schräg und zu unkonventionell bin für den deutschen Arbeitsmarkt? Was, wenn mir dann das Geld ausgeht, ich ausziehen muss aus meinem Zuhause und ich mir all die Träume, die ich noch habe, nicht mehr erfüllen kann? Und so ganz unabhängig von der finanziellen Grundversorgung: Was, wenn ich es nicht aushalte in Deutschland? Was, wenn meine Freude zwischenzeitlich die Stadt verlassen? Oder wenn wir uns in unterschiedliche Richtungen entwickeln und nicht mehr zusammenfinden? Wenn ich damit meinen Halt, meine Wahl-Familie verliere?

In solchen Momenten standen wilde Vorfreude neben großer Angst. Ein selbstbewusstes „nicht erwarten Können“ neben einem unsicheren „und dann?“ Das waren die Momente, in denen ich tief atmen und mal ein wenig von außen auf die Situation schauen musste: Wie wahrscheinlich ist es, dass all das tatsächlich passiert? Eher unwahrscheinlich, denke ich. Dann kam mir ein Zitat der australischen Dichterin Erin Hanson ins Gedächtnis:

“There is freedom waiting for you,
On the breezes of the sky,
And you ask „What if I fall?”
Oh but my darling,
What if you fly?”
– Erin Hanson

Achtsamkeit ist für mich der Schlüssel, Situationen, Gefühle und Gedanken wahrzunehmen, bevor sich das Gedankenkarussell beginnt zu drehen. Aber sie hilft auch dabei, all das, was im Innen passiert, einer Art Realitätscheck im Außen zu unterziehen.

Es kann passieren, dass ich sinnbildlich falle. Aber ist das ein Grund, mir meinen Traum von der Weltreise nicht zu erfüllen? Sicher nicht. Denn ob ich sinnbildlich fliege, weiß ich erst, wenn ich es ausprobiere. Ich finde es wichtig, dass ich mir jetzt im Vorfeld, aber auch während der Reise – bewusst bin, was passieren kann. Das trägt dazu bei, dass ich aufmerksam bin, Vorkehrungen treffe, wo es sinnvoll und möglich ist. „Das Leben kann man nicht planen, das Leben passiert einfach“, hat meine liebe Freundin Sandra neulich gesagt. Und sie hat so recht. Die Dinge kommen, wie sie kommen sollen. Schauen wir also, was passiert.

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