The red maple leaf is Canada's symbol.

Was ich über Kanada gelernt habe

Kanadier, US-Amerikaner – ist doch alles das gleiche. Weit gefehlt: Kanadier mögen US-Amerikaner nicht, und letztere wissen gar nicht, dass Kanada ihr Nachbarland ist. Ein paar (Fun) Facts über Kanada.

Deutsche sind immer mürrisch, Amerikaner essen nur Fastfood, Schweden sind superglücklich. Jedes Land hat so seine Eigenschaften, die ihnen die Welt zuordnet – und die mal mehr, mal weniger zutreffend sind. Ich sage es hier gleich vor ab: Ich generalisiere, stecke in Schubladen, überspitze – schaffe Klischees vom Feinsten. Nicht, weil ich irgendjemandem auf die Füße treten will, sondern weil ich manche Eigenheiten einfach zu witzig finde. Natürlich ist nicht jeder Deutsche mürrisch. Aber wir alle kennen die abweisenden Gesichter, die uns morgens in der U-Bahn begegnen. Und ganz ehrlich: Wenn man mal den Sinn der Worte weglässt und nur dem Klang unserer deutschen Sprache zuhört – es klingt, als würden wir einander anspucken. Dies nur gesagt bzw. geschrieben, bevor ich böse Nachrichten kriege, dass ich das doch SO nicht schreiben kann… 😉

Hier also 20 (Fun) Facts über Kanada:

1. Wer kein Flanellhemd hat, ist kein Kanadier.
Ohne Witz: Die dichte an Flanellhemden in Flugzeugen nach Kanada ist auffällig. Ob Mann oder Frau, Erwachsener oder Kind… Es scheint, dass jeder mindestens eins der kuscheligen Hemden im Schrank hat. Ist schließlich eine gute Option, um an kalten kanadischen Wintertagen warm zu bleiben.

2. Unverpackt ist Selbstverständlich.

Verschiedene Mehl- Nuss- und getrocknete Obstsorten gibt es in großen Unverpackt-Läden wie diesem.
Verschiedene Mehl- Nuss- und getrocknete Obstsorten gibt es in großen Unverpackt-Läden wie diesem.

Hier kann sich Deutschland ein ganzes Stück abgucken. In jedem Supermarkt, den ich von innen gesehen habe (und das waren einige), gab es mindestens ein Regal, in dem Lebensmittel unverpackt angeboten wurden. Es gibt sogar eine Kette, die Mehle, sämtliche Arten von Nüssen, Bohnen, getrockneten Früchten, Süßwaren, Erdnussbutter und Seifen unverpackt anbietet. Völlig problemlos können Kunden ihre eigenen Behälter mitbringen und nach Bedarf abfüllen. Das wünsche ich mir für Deutschland auch.

3. Nach dem Essen wird man rausgeschmissen.
Also, nicht wortwörtlich. Aber im Restaurant wird erwartet, dass der Gast zahlt und geht, sobald er aufgegessen hat. Manchmal kommt die Rechnung gleich mit dem Dessert. Gemütliches Beisammensitzen bei einem Wein oder Bier nach dem Essen, wie ich es aus Deutschland kenne, gibt’s hier nicht.

4. Gras ist legal.
Und die Toleranz, es immer und überall zu rauchen, hoch. Was viele noch nicht verstanden zu haben scheinen: Nur, weil es legal ist, heißt das nicht, dass man kiffen sollte, während man Auto fährt. Dah! Insgesamt scheint die Hemmschwelle auch niedriger zu sein, was das Autofahren nach zwei, drei, oder auch vier Bier angeht. Vielleicht habe ich in Deutschland einfach nur einen sehr vernünftigen Freundeskreis, der meine Wahrnehmung begründet. Eine andere Deutsche, die seit Jahren in Kanada lebt, bestätigt meine Einschätzung. Ist jetzt natürlich nicht repräsentativ.

5. Alkohol darf nicht in den Fahrerraum.
Der Fahrer könnte ja sonst auf die Idee kommen, während der Fahrt die verschlossene Flasche (oder Dose – hier sehr populär) zu öffnen und daraus zu trinken. Auch der Beifahrer darf während der Fahrt keinen Alkohol in der Hand halten für den Fall, dass er auf die Idee kommen sollte, den Fahrer probieren zu lassen. Hm… Habe im Gegenzug Kanadier getroffen, die ernsthaft entrüstet darüber waren, dass Menschen in Deutschland auf der Straße Alkohol trinken. So ist eben die unterschiedliche Wahrnehmung.

6. Im Supermarkt gibt’s keinen Alkohol.
Noch nicht mal niedrigprozentiges Bier. Jegliche alkoholischen Getränke sind nur in sogenannten Liquor Stores erhältlich – zu saftigen Preisen. Eine Dose Bier kostet hier in etwa so viel wie in Deutschland ein Sixpack. Ganz ehrlich: So wichtig kann Alkohol nicht sein, um so viel Geld dafür auszugeben (und dann auch noch betrunken Auto zu fahren. Sorry, aber verstehe ich hier was nicht?)

7. Kuchen ist ein Dessert.
Ein gemütliches Zusammensitzen bei Kaffee und Kuchen – gibt’s nicht. Kuchen, also den typische Pie, essen Kanadier als Nachtisch – nach Braten mit Pommes und so. Ja…

8. Kanadier sind Naturliebhaber.

Raus in die Natur - für viele Kanadier die liebste Freizeitbeschäftigung.
Raus in die Natur – für viele Kanadier die liebste Freizeitbeschäftigung.

Sie haben ja auch wahnsinnig viel davon. Auf fast zehn Millionen Quadratkilometer kommen nur knapp 40 Millionen Einwohner. Da bleibt viel Platz, um in der wunderschönen Natur (es ist einfach traumhaft schön. Echt jetzt. Vielfach völlig unberührt. Und so viele Tiere.) Zelten, Fischen, Jagen und Wandern zu gehen.

9. Nationalsport: Eishockey
Fußball ist bei kanadischen Kindern wichtig. Viele spielen in einem Verein. Aber nichts reicht an Eishockey oder Basketball heran, insbesondere im professionellen Bereich. Selbst im Sommer habe ich Kinder mit Hockeyschlägern, Rollerblades und Helm mitten auf Straßen trainieren sehen. Die Autofahrer nehmen hier größte Rücksicht. Es weiß ja schließlich niemand, ob da nicht ein künftiger Nationalspieler über die Straße rollt.

10. Kanada nutzt metrisches und imperiales System.
In Europa (mit Ausnahme von England, hihi…) können wir mit Meilen zur Angabe von Distanzen und Fahrenheit zur Temperaturangabe nichts anfangen. Menschen aus den USA zucken bei Angaben in Metern und Celsius mit den Schultern. Kanadier wissen in beiden Fällen Bescheid. Sie nutzen nämlich beide Systeme – was manchmal zu großer Verwirrung führen kann. Im Handwerk treffen amerikanische auf europäische Schraubenköpfe (ja, die sind unterschiedlich), und während hier oft im imperialen System gemessen wird, ist die Entfernung auf Straßenschildern stets in Kilometern angegeben. Ganz schön verwirrend. Hintergrund: In den 70er Jahren wurde das metrische System offiziell eingeführt. In vielen Bereichen hat man aber die alten Maßeinheiten aus Sicherheitsgründen beibehalten. Die Angaben entlang kanadischer Eisenbahnstrecken sind weiterhin im imperialen System. Wäre nicht so gut gewesen, wenn da in der Übergangszeit jemand etwas verwechselt hätte…

11. Es gibt keine Briefkästen mehr.

Community Mailboxen lösten Briefkästen ab.
Community Mailboxen lösen Briefkästen ab.

In vielen Nachbarschaften gibt es zentrale Postfächer. Post und teils auch Pakete werden an die sogenannte Community Mailbox gesendet.

12. Kanada ist erst gut 100 Jahre alt.

Erst seit 1956 ist das rote Ahornblatt auf weißem Grund die Kanadische Flagge.
Erst seit 1956 ist das rote Ahornblatt auf weißem Grund die Kanadische Flagge.

Am 1. Juli 1867 wurde Kanada offiziell gegründet. Eine eigene Flagge, die mit dem roten Ahornblatt, bekam das Land erst 1965. Vorher war die britische Flagge das offizielle Symbol.

13. Königin Elisabeth II ist Staatsoberhaupt.
Vertreten wird sie durch eine Generalgouverneurin.

14. Mit Akzent fällt man hier nicht auf.
Viele Kanadier sprechen keinen reinen nordamerikanischen Akzent. Der Grund: Kanada ist ein Einwandererland. Einige Menschen haben starke, andere leichte Akzente, die keiner Muttersprache mehr zuzuordnen sind. Touristen mit Akzent fallen hier deshalb auch nicht auf. Und: Alle Kanadier wissen, wo ihre Wurzeln liegen – und das ist zumeist nicht in Kanada.

15. Es ist sauteuer.
Kosmetikartikel sind – je nach Region – doppelt oder dreifach so teuer wie in Deutschland. Lebensmittelpreise sind ebenfalls hoch – insbesondere Käse (und der ist nur in wenigen Fällen richtig gut). Elektronikartikel wie beispielsweise Kameras sind dafür um ein Vielfaches günstiger.

16. Es gibt eine Krankenversicherung.
Dass sie nicht bezahlen müssen, wenn sie zum Arzt gehen, darauf sind die Kanadier besonders stolz. Insbesondere, weil ihre US-Amerikanischen Nachbarn diesen Luxus nicht haben.

17. Kassierer dürfen während der Arbeit nicht sitzen.
Das ist mir erst aufgefallen, nachdem mir eine Kanadierin erzählt hat, wie begeistern sie bei ihrem Deutschland-Besuch war, dass Kassierer dort ganz bequeme Stühle haben, während sie arbeiten.

18. Kanadier mögen Amerikaner nicht.
Das geht so weit, dass manche importierte Lebensmittel aus den USA ignorieren oder keinesfalls mehr in/über/durch die USA reisen wollen. Auf Reisen stecken sich viele eine Kanadische Flagge ans Gepäck, damit sie auf keinen Fall mit ihren lauten US-Amerikanischen Nachbarn verwechselt werden.

19. Kanadier entschuldigen sich – immer.
Auch, und ganz aufrichtig, wenn man dem Vordermann an der Kasse aus Versehen den Einkaufswagen in die Knie rammt. Er wird sich entschuldigen – für mein Missgeschick.

20. Kanadier sind ein liebenswertes Volk.
Offen, freundlich, interessiert am Geschehen in der restlichen Welt, herzlich, großzügig – ich kann es nicht anders sagen.

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