Die Rainbow Mountains in Peru - unter Schnee.

Warum Reisen manchmal richtig doof ist

Sonnenschein, Strand und Regenbogen. Vollzeitreisen bedeutet mehr als das. Und es ist viel herausfordernder, als viele denken. Nach mehr als neun Monaten unterwegs kommt hier meine ehrliche Liste darüber, was am Reisen wirklich sch… ist, was auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist und womit ich nur ganz schwer umgehen konnte.

Jugendherbergen

  • Richtig eklige geteilte Duschen und Toiletten.
  • Vollgepackte Schlafsäle – besonders, wenn Rucksäcke, Kleidung und schmutzige Unterwäsche anderer Leute buchstäblich überall herumliegt.
  • Es schnarcht immer jemand, immer kommt jemand spät und ein anderer steht früh auf, um irgendeinen Bus zu kriegen oder in aller Frühe einen Berg zu besteigen. Folgendes ist mir zum Glück nicht passiert, aber eine Freundin hat berichtet, dass ein betrunkener Mitbewohner spät zurückkam und gegen die Zimmertür hämmerte, weil er seine Schlüssel verloren hatte, alle aufweckte und sich über alles übergab, was auf dem Boden lag – Kleidung, Taschen usw. –, dann laut schnarchte und schließlich einen Wachmann schlug. Es tut mir immer noch so leid, dass du so eine furchtbare Nach hattest, Gena.
  • Das Bett auf der einen und die Steckdose auf der anderen Seite des Raumes.
  • In Nachtbussen schlafen und mit geschwollenen Beinen aufwachen.
  • Auf Bänken am Flughafen übernachten, weil der Flug so früh geht, dass sich ein Hostel nicht lohnt (nicht bequem und man muss immer auf Rucksäcke und den Proviant achten…).

Allgemein

  • Stunden und Stunden der Reiseplanung (entscheiden, wann, wo und wie man zu Orten kommt, die Standorte von Hostels recherchieren, deren Bewertungen überprüfen, usw.).
  • Den öffentlichen Nahverkehr verstehen.
  • Stunden oder gar Tage in Langstreckenbussen sitzen.
  • Den Rucksack bei 38 Grad durch die Sonne oder bei 5 Grad durch den Regen tragen.
  • Eine Lebensmittelvergiftung, aber kein eigenes Bad haben.
  • Kein deutsches Brot bekommen können.
  • Tag für Tag von neuen Eindrücken überwältigt sein und so viele neue Dinge in kurzer Zeit sehen, dass kaum Zeit bleibt, sie mental zu verarbeiten.
  • Fast jeden Tag an eine neue Umgebung anpassen zu müssen, kann manchmal anstrengend sein.
  • Immer und immer wieder die gleichen Klamotten tragen, bis sie abgenutzt sind und man sie sowieso nicht mehr sehen kann.
Kleidung sieht ganz schön mitgenommen aus, wenn man immer wieder das gleiche trägt.
Kleidung sieht ganz schön mitgenommen aus, wenn man immer wieder das gleiche trägt.

Menschen

  • Aufgrund von Sprachbarrieren manchmal keine intensiven Gespräche führen können.
  • Armut, Traurigkeit und Verzweiflung sehen (und besonders Kinder, die darunter leiden)
  • Reisegespräche (Wie-alt-bist-du-woher-wie-viele-Länder-so viel-so-wenig-wohin-als-nächstes-DAS-lässt-du-aus?)
  • Immer mit Fremden zusammen sein.
  • Keine langjährigen Freunde treffen können.
  • Mit Freunden zu Hause zu sprechen, ist aufgrund von Zeitunterschieden eine Herausforderung.
  • Man trifft die wundervollsten Menschen, freundet sich an und weiß, dass man die meisten wahrscheinlich nie wieder sehen wird.
  • Und schließlich: Kaum Körperkontakt. Manchmal braucht man einfach die Umarmung einer/s Freundin/es.
Mit Gaby, Fenna und Gena habe ich einige Tage in Peru zusammen verbracht. Ob wir uns nochmal wiedersehen...?
Mit Gaby, Fenna und Gena habe ich einige Tage in Peru zusammen verbracht. Ob wir uns nochmal wiedersehen…?

Aber, zugegeben: Die allermeisten der oben aufgezählten sind Luxusprobleme.

Und all das ist es so wert:

  • Sehen, wie schön unsere Welt ist. Mutter Natur ist atemberaubend. All die verschiedenen Farben und Formen, die sie zu bieten hat. Oft so schön, dass es mir die Tränen in die Augen getrieben hat.
  • All das gute Essen…
  • In Schlafsälen kommt man mit Reisenden aus der ganzen Welt zusammen.
  • In Reisenden und Einheimischen Freunde fürs Leben finden.
  • Verschiedene Kulturen und Lebensweisen kennenlernen.
  • Vorhandene Fähigkeiten verbessern und neue dazulernen.
  • Unglaublich viele Inspirationen bekommen, die lebensverändernd sind.
  • Bewusstsein üben auf einer ganz neuen Ebene.
  • Den Horizont erweitern.
  • Erinnerungen für ein Leben lang machen.
  • Wild und frei sein.
  • Aich selbst besser kennenlernen.
  • Erleben, dass man nicht viel braucht, um glücklich zu sein.

PS: Ich muss zugeben, dass es nicht ganz einfach war, passende Fotos zu diesem Thema zu finden. Es sind eben doch die schönen Sachen, die ich lieber in Bildern festgehalten habe. Bis auf das Titelfoto: Das sind die Rainbow Mountains in Peru – also, hinter dem Schnee.

Zwischen Flaggen aller Nationen in der Salzwüste bei Uyuni, Bolivien. Reisen erweitert den Horizont.
Zwischen Flaggen aller Nationen in der Salzwüste bei Uyuni, Bolivien. Reisen erweitert den Horizont.

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