Sonnenaufgang über dem See am Vipassana-Meditationszentrum in Fang.

Von einer Busfahrt und einem Wink des Universums

Fang, eine kleine Stadt etwa 150 Kilometer nördlich von Chiang Mai, ist das nächste Ziel meiner Reise. Während der Fahrt hatte ich viel Zeit, nachzudenken – und zu schreiben.

Ich bin die einzige Weiße in dem auf Kühlschrank-Temperatur heruntergekühlten Van. Es riecht extrem nach Parfüm, nimmt mir fast die Luft zum Atmen. Vielleicht ist das der Grund, warum mir Momo, eine junge Thai, mir zwei Schutzmasken zugesteckt hat. Die brauche ich unbedingt, hat sie mir versichert – vermutlich meinte sie das eher in Bezug auf das Coronavirus und nicht wegen des krassen Geruchs.

Eigentlich wollte ich den großen, klapprigen orangen Bus nach Fang, etwa 150 Kilometer nördlich von Chiang Mai, nehmen. Aber gerade als ich das Ticket kaufen wollte, ging eine ältere Dame zwischen mich und den etwas überrumpelten Verkäufer. Nein, nein, sagte sie, ich soll unbedingt das Shuttle nach Fang nehmen. Sie schob mich in Richtung eines weiteren Herrn und der bedeutete mir, ihm zu folgen. Quer über den staubigen Busplatz liefen wir, bis er auf ein Geschäft deutete, „Ticket” sagte und sich winkend verabschiedete.

Die Stimme aus dem Off

Dunkel war es in dem Raum, den ich betrat, ein paar leere Tische standen herum, was aussah, wie ein Restaurant, schien keines zu sein. „Office?“, sagte plötzlich eine Stimme aus dem Nichts zu meiner Linken. Die Stimme gehörte zu einem älteren Herrn, die Füße hatte er auf dem Tisch gelegt und es sich gemütlich gemacht auf dem abgewetzten Schreibtischstuhl. Er bedeutete mir, rauszugehen.

Post, Arztpraxis oder irgendeine Behörde? Die Schriftzeichen könnten alles bedeuten. Es ist aber tatsächlich die Verkaufsstelle für Bustickets.
Post, Arztpraxis oder irgendeine Behörde? Die Schriftzeichen könnten alles bedeuten. Es ist aber tatsächlich die Verkaufsstelle für Bustickets.

Da stand ich nun also, blickte auf ein paar schmutzige Schaufensterscheiben auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Tuk Tuks, LKW und Motorräder ratterten in waghalsigem Tempo an mir vorbei. Ich vermutete einfach mal, dass die Schriftzeichen auf orangem Grund über dem größten der Schaufenster sowas wie Shuttleservice bedeuteten, ging hinein und hielt tatsächlich wenig später einen Papierausdruck mit meinem Ticket in der Hand. Und mit eben diesem Ticket, Momo und der Maske sitze ich nun in oben genanntem Van.

Start und Ziel stehen glücklicherweise in englischer Sprache auf dem Ticket.
Start und Ziel stehen glücklicherweise in englischer Sprache auf dem Ticket.

Fang ist das Ziel meiner Reise, oder genauer gesagt: Wat Sriboonruang, der buddhistische Tempel der Stadt nahe der Grenze zu Myanmar, in die sich Touristen üblicherweise nicht verirren. Zum Tempel gehört allerdings ein Vipassana-Meditationszentrum mit viel Platz für Meditierende aus Asien – und zehn kleinen Hütten für Westler. In eine dieser Hütten will ich für eine Woche einziehen, um unter Anleitung Meditieren zu üben.

Die Zeichen des Universums deuten

Das eigentlich Spannende ist, wie mir das Universum den Weg hierher gewiesen hat, denke ich mir, während der Van über holprige Straßen zuckelt. Ich wollte mir via Onleihe ein Buch auf meinen eReader laden für den langen Flug von Vancouver nach Chiang Mai. Aber all die, die auf meiner langen Lese-Wunsch-Liste standen, waren bereits ausgeliehen und deshalb nicht verfügbar. Blöd, dachte ich, und entschied, einfach irgendetwas mit Bezug zu Thailand zu lesen. Ich stieß auf „The Travel Episodes“. Johannes Klaus, selbst Weltreisender, lässt darin Autoren ihre ganz persönlichen Reisegeschichten erzählen. Es sind fesselnde Geschichten. Und noch während die ersten Vororte Chiang Mais unter dem Flugzeug auftauchten, las ich die letzten Seiten des Buches, auf denen der Autor von seinen Erlebnissen in Wat Sriboonruang erzählt. Ich war angefixt. Im Hostel angekommen recherchierte ich nach dem Vipassana-Retreat, nahm noch am selben Tag Kontakt zu Clyde, dem zuständigen Mönch auf, und hatte am Folgetag die Zusage: „Yes, we have room for you.“

Nur ein paar Tage später bin ich also unterwegs an den Ort aus dem Buch. Erst als der kleine Van stoppt, der Fahrer „hello“ ruft und auf mich zeigt, werde ich aus meinen Gedanken gerissen. Kurz darauf stehe ich neben meinem Rucksack auf dem sandigen Boden. Ich entdecke eine riesige goldene Buddha-Statue, die uns, den Rucksack und mich, wartend anzuschauen scheint. Der Beginn einer ruhigen, spirituellen, inspirierenden und anstrengenden Woche.

 

Titelfoto: Sonnenaufgang über dem See am Vipassana-Meditationszentrum in Fang.

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