Das Ende einer Weltreise mit einem letzten indischen Snack am Flughafen.

Vom plötzlichen Ende einer Weltreise

Tschüss, Rishikesh! Hallo, Frankfurt! Beinahe überstürzt bin ich nun doch aus dem kleinen Ort im Norden Indiens abgereist und in meine Wahlheimat Frankfurt zurückgepurzelt.


Eigentlich sollte die WhatsApp-Gruppe unserer Yoga-Familie dazu dienen, uns über Yoga auszutauschen, Fotos zu teilen, in Kontakt zu bleiben. In der vergangenen Woche wurde sie zu einem Live-Ticker, über den wir verfolgen konnten, ob und wie es unsere Familienmitglieder nach Hause geschafft hatten. Viele packten innerhalb kürzester Zeit ihre Koffer und setzten sich in das nächste Taxi nach Delhi in der Hoffnung, vor Ort einen Flug zu ergattern. Von manchen konnte ich mich deshalb nicht persönlich verabschieden. Nahezu alle bereits gebuchten Flüge wurden gecancelt – teils noch während die Yoga-Schwestern und -Brüder auf dem Weg zum oder bereits am Flughafen waren. Fast drei Tage haben Rapha und Alex nach Spanien gebraucht, Ioana ist am Flughafen in Dubai gestrandet, weil Anschlussflüge gestrichen wurden. Kalya konnte nicht mehr in ihre Wahlheimat Australien fliegen, weil ihr Flugzeug nur wenige Stunden nach der Deadline angekommen wäre, an dem das Land die Grenzen geschlossen hat. Sie ist deshalb zu ihrer Familie in die USA geflogen – und glücklicherweise problemlos dort angekommen. Und dann war da auch große Freude, wenn wieder jemand in der Gruppe geschrieben hat, dass er oder sie es wohlbehalten nach Hause geschafft hat.

Ticket gebucht, Flughafen gesperrt, leere Straßen

Leere Straßen und erste geschlossene Geschäfte in Rishikesh.
Leere Straßen und erste geschlossene Geschäfte in Rishikesh.

Eine wahnsinnige Aufregung – nicht nur darüber, ob mein Flug doch noch gecancelt werden würde, sondern auch für alle anderen. Dazwischen dann noch unsere Abschluss-Zeremonie mit Übergabe der offiziellen Urkunde, die bescheinigt, dass wir unsere 200-Stunden-Yogalehrer-Ausbildung erfolgreich absolviert haben, Tasche packen und ein Stück weit mental darauf vorbereiten, meine Weltreise nun doch früher zu beenden.

Nachdem ich mich am Mittwoch zur Rückreise entschieden, das Flugticket gebucht und noch einmal auf einen früheren Termin umgebucht hatte, überstürzten sich in Indien die Ereignisse: In einer Fernsehansprache verkündete Indiens Premierminister, dass der Flughafen in Delhi ab dem heutigen Sonntag für mindestens eine Woche geschlossen sein soll. Zudem soll es eine Ausgangssperre geben. Zumindest in Rishikesh halten sich die Menschen daran, wie ich heute auf Facebook verfolgen konnte. Auf Fotos ist die menschenleere Laxman Jhula zu sehen, auf der sonst Fußgänger dicht an dicht den Ganges überqueren.

Tschüss, Rishikesh
Am Donnerstagnachmittag habe ich erfahren, dass ich am Freitagabend Indien verlassen und damit meine Weltreise beenden werde. Mein Körper ist mittlerweile in Frankfurt angekommen – aber mein Verstand konnte erst im Flugzeug nach Abu Dhabi meinen letzten Tag in Rishikesh Revue passieren lassen. Da ist die Erinnerung an die Männer, die stets an der Ecke gegenüber dem kleinen Friseur, dem ayurvedischen Restaurant und dem Kiosk Karten spielen und Chai-Tee trinken. Ich habe noch einmal dem Mann zugesehen, der stets frisches Chapati backt, mich von dem Mann im Buchladen verabschiedet, bei dem es unglaublich günstige Yoga-Bücher zu kaufen gibt. Bin an dem Stand vorbeigelaufen, an dem stets ein Mann Chai-Tee in gusseisernen Töpfen kocht und an einigen Yoga-Schulen, die die Termine ihrer Drop-in-Kurse von den Tafeln gewischt haben. Die Geburtsstadt des Yoga ohne Yogakurse. Ein Novum, das nötig scheint angesichts der Corona-Krise.

Dass ich die Hunde vermissen würde, die in der Nacht bellen, und die Papayabäume, deren Blätter im Wind rauschen, wird mir erst bewusst, als ich abends im Bett meiner Übergangs-Wohnung in Frankfurt liege und es totenstill ist.

Aus 15 Kilo Gepäck werden 26

Bepackt und fertig zur Abfahrt: Oxana und ich sagen "Tschüss".
Bepackt und fertig zur Abfahrt: Oxana und ich sagen „Tschüss“.

Gemeinsam mit Oxana, die ebenfalls aus Frankfurt kommt, habe ich Rishikesh in einem Taxi verlassen. Aus 15 Kilo Gepäck bei meiner Abreise sind 26 geworden, wie sich am Flughafen herausstellt. Nachdem klar war, dass ich mein Gepäck nicht mehr weit tragen muss, bin ich in oben erwähntem Buchladen ein wenig eskaliert. ?

Die Fahrt nach Delhi dauerte lang. Immer mal wieder zwischendurch checkten wir, ob unser Flug nicht doch gecancelt wurde, hörten zwischendurch Sprachnachrichten von Marc, der vorübergehend in Doha festsaß und dann irgendwie über Berlin nach Barcelona kommen wollte. Mittlerweile hat auch er es nach Hause geschafft.

Einige Mitglieder meiner Yoga-Familie sind in Rishikesh gestrandet, wollen entweder bleiben und die Corona-Krise aussitzen oder darauf warten, dass ihre Regierungen sie ausfliegen. Aber das kann dauern. Sie vertreiben sich die Zeit mit Yoga mit Musik und Sonne auf der Dachterrasse und lassen uns mit Videos und Fotos daran teilhaben.

Und auch ich habe es problemlos zurück nach Frankfurt geschafft – zumindest körperlich. Mein Verstand scheint ein paar Tage länger für die Rückreise zu brauchen.

Am Flughafen treffen Oxana und ich nochmal auf Yoga-Bruder Ram. Auch er ist mittlerweile an seinem Ziel angekommen.
Am Flughafen treffen Oxana und ich nochmal auf Yoga-Bruder Ram. Auch er ist mittlerweile an seinem Ziel angekommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*