Vom Plan, einen Plan zu fassen

Oder: Warum das Leben nicht planbar ist und Dinge passieren, wie sie passieren.

Frankfurt – San Francisco: Das sind gut elf Stunden Flug. Elf Stunden Zeit, nichts zu tun, die Vorfreude auf die Zeit in meiner zweiten Heimat zu genießen und – zu lesen. Ich hatte ein Buch eingepackt, das schon seit einer Weile im Regal darauf wartete, gelesen zu werden.

Mach, was du willst – Design Thinking fürs Leben

Das ist der Griff an den Hebel meiner persönlichen Notbremse, dachte ich. Der Klappentext verspricht, dass man sich mit Hilfe der Prinzipien des Design Thinking ein sinnstiftendes Leben gestalten kann, unabhängig davon, wer wir sind, was wir arbeiten oder in welchem Lebensabschnitt wir uns gerade befinden. Klingt nach einer guten Inspirationsquelle.

Bevor es im Buch aber ans Designen geht, starten die Autoren mit einer Anleitung für eine Bestandsaufnahme. Denn: Man kann nicht wissen, wohin man geht, wenn man nicht weiß, wo man ist. Dafür haben die beiden ein Armaturenbrett entworfen. Darauf eine Skala von Null bis Voll in den Bereichen Liebe, Spiel, Arbeit und Gesundheit. Ein paar Stichpunkte und Überlegungen später sah mein Armaturenbrett so aus:

Das Armaturenbrett meines Lebens.
Das Armaturenbrett meines Lebens.

Ein viel zu hoher Ausschlag bei Arbeit und ein deutlich zu niedriger bei Gesundheit. Nichts, was ich nicht auch vorher gewusst hätte. Aber das Ganze so Schwarz auf Weiß zu sehen, führte mir meine mangelnde Selbstfürsorge der vergangenen Monate deutlich vor Augen. Bäm. Du hast wissentlich nicht auf Dich aufgepasst.

Während das Flugzeug durch Turbulenzen über den Atlantische Ozean rumpelte, lösten sich auch meine Gedanken. Wie kann es sein, dass Regeneration die gesamte Freizeit aufbraucht? Und wie kann es sein, dass das nicht nur bei mir so ist, sondern auch bei etlichen meiner Freunde? Viele würden gerne ein Stück Gehalt für mehr Freizeit aufgeben. Stichwort: Vier-Tage-Woche. Das ist bei uns quasi ein Dauer-Thema. Einige konnten ihre Arbeitszeit verkürzen. Aber gerade in kleinen Unternehmen ist das kaum möglich. Dabei soll eine regelmäßige Vier-Tage-Woche die Produktivität steigern, habe ich gelesen. Während ich darüber und über den (Un)Sinn von bedingungslosem Grundeinkommen nachdachte, schlief ich mit dem dann doch beruhigenden Gefühl ein, dass ich nicht alleine bin mit meiner Hilflosigkeit, den Balanceakt zwischen Arbeit und Leben zu meistern. Und mal so am Rande: Wie machen das eigentlich Menschen, die Kinder haben?

Um diese Geschichte zu Ende zu bringen: Ich habe noch ein wenig weiter in dem Buch gestöbert, dann aber doch eher Urlaub gemacht und die Zeit mit meiner amerikanischen Familie verbracht, als mein Leben zu planen – soweit das überhaupt planbar ist. Ich bin davon überzeugt, dass immer genau das passiert, was einem den nächsten Schritt auf dem Weg durchs Leben zeigt – auch, wenn man manchmal erst später versteht, warum die Dinge passieren, wie sie passieren, warum wann welche Menschen in einem Leben auftauchen.

Einen solchen Wegweiser gab es bei mir auch. Zum einen war da die Freundin, die mir schrieb, dass ich auf den Urlaubsfotos sooo entspannt aussehe. Und dann war da noch die Geschichte aus dem Tindergarten…

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