Streetart in the Graffity Alley.

Toronto in einem Tag – ein Spaziergang

Kanadas größte Stadt verdient definitiv mehr als einen Tag Besuchszeit. Aber auch in 24 Stunden lässt sich die Metropole erkunden. Vorteil: Alles ist zu Fuß erreichbar.

8:30 Uhr: Start in der Bloor Street
Raus aus der Tür meiner Unterkunft, der Tartu College Student Residence, rein ins Leben. Die Bloor Street ist eine lebhafte Einkaufsstraße mit vielen Restaurants, (Lebensmittel-) Geschäften, Friseuren und Co. Das Publikum ist überwiegend studentisch jung. Deshalb ist hier am frühen Samstagmorgen zugegebenermaßen noch nicht arg viel los. Der Spaziergang führt mich jedenfalls Richtung Westen bis zur Brunswick Ave.

Übrigens: Wessen Unterkunft nicht in der Nähe der Bloor Street liegt, erreicht die Spadina Station via Tram 510 von der Union Station aus.

Frühstück: Kensington Markets

Kensington ist ein buntes Viertel - nicht nur an dieser Wand.
Kensington ist ein buntes Viertel – nicht nur an dieser Wand.

Via Brunswick Ave – oder eine der Parallelstraßen – geht es in Richtung Kensington Markets. Das lebhafte Viertel ist beliebt bei Künstlern und Touristen. Hier sind kleine, unabhängige Geschäfte zuhause, es gibt einiges an Streetart und Graffitis anzusehen. Und: Hungrige haben eine große Auswahl an Frühstücksmöglichkeiten. Ob Pfannkuchen mit Ahornsirup oder Rührei mit Toast, Kartoffeln und Speck – hier gibt’s wirklich alles.

Meine Empfehlung: Our Spot, 180 Baldwin Street.

Little Italy
Die Augusta Ave in Richtung Norden trifft nach kurzer Zeit auf die College Street. Nach Westen führt sie direkt nach Little Italy. Während anderswo rot leuchtende Ahornbäume an den Straßen stehen, hat hier mit Zypressen eindeutig ein Stück Italien Einzug gehalten. Eine hübsche Gegend, die es lohnt, zu erkunden – ob nun ausschließlich via Grace Street (biegt gen Süden von der College Street ab) oder über die vielen Seitenstraßen.

Trinity Bellwoods Park
Die Grace Street mündet am Ende schräg links in die Gore Vale Avenue. Die wiederum liegt direkt am Trinity Bellwoods Park. Eine hübsche Grünfläche zum Entspannend, Spazieren oder um den vielen Sportlern beim Sport zuzusehen.

Mittags: Queen Street

Viele kleine Geschäfte reihen sich in der Queen Street aneinander.
Viele kleine Geschäfte reihen sich in der Queen Street aneinander.

Hier kommt mein Lieblingsteil des Spaziergangs. Am Ende des Parks geht es links in die Queen Street. So viele schöne kleine Geschäfte und Restaurants. Ich hätte hier Stunden verbringen und mich durchessen und allerhand Schönes kaufen können. Aber: Mein Rucksack ist voll. Deshalb ist es beim Window-Shopping geblieben. Ich war noch satt vom Frühstück und habe deshalb mein Lunch auf später verschoben. Es bietet sich aber an, hier etwas zu essen. Die Auswahl ist groß.

Graffiti Alley

Die Graffiti Alley - hier ist die Streetart legal und zieht viele Touristen an.
Die Graffiti Alley – hier ist die Streetart legal und zieht viele Touristen an.

Ein kurzer Abstecher auf die Graffiti Alley ist Pflicht. Die Portland Street geht rechts von der Queen Street ab, und von dort geht’s direkt links in die schmale Gasse. Hier herrscht eine besondere Atmosphäre, dunkel, verrucht, etwas modrig – sicher keine Gegend, die ich nachts besuchen würde. Am Tag gibt es hier jedoch einige Touristen, die sich die bunt mit Graffiti bemalten Wände ansehen. Toronto verfügt über einen Graffiti Management Plan. Graffiti ist grundsätzlich verboten, für Graffiti-Kunst (im Gegensatz zu illegalem Tagging) gibt es aber eine Ausnahme – so zum Beispiel auch in der Graffiti Alley.

CN Tower
Der Spaziergang führt zurück auf die Queen Street gen Osten. Wer mag, kann rechts in die Adeleide Street abbiegen, um auf den CN Tower, das Wahrzeichen Torontos, zu fahren. Ich habe ihn aufgrund einer langen Schlange nur von unten angesehen. Es ist jedoch möglich, Tickets im Voraus zu buchen. Termingebundene Tickets gibt’s für $45 zzgl. Steuer.

Gooderham Building

Das Gooderham Building - eines der ersten Gebäude, die in Toronto, damals noch York, gebaut wurden.
Das Gooderham Building – eines der ersten Gebäude, die in Toronto, damals noch York, gebaut wurden.

Weiter die Adeleide Street entlang geht es nach Osten auf die Front Street, vorbei an der Union Station. Wer mag, kann hier einen Blick hineinwerfen. Die Architektur der großen Halle ist hübsch. Allerdings wird dort gerade (Stand: Juni 2019) massiv umgebaut und renoviert, sodass es derzeit viele weiße Baustellen-Absperrungen gibt. Wer die Front Street weiter Richtung Osten läuft, kommt irgendwann zum Gooderham Buildung. Achtung: Wer aus dieser Richtung kommt, erkennt es nicht gleich. Einfach darauf achten, wohin die anderen fotografierenden Touristen gucken.

„In diesem Stadtteil sind nach 1793 die ersten Häuser im damals neu gegründeten York (damaliger Name von Toronto) entstanden“, schreibt Wikipedia. Das Backsteingebäude wird auch als Flatiron Building bezeichnet, weil es aufgrund seiner spitz zulaufenden Front wie ein Bügeleisen aussieht.

Spätnachmittag: Distillery District

Straßenkunst gibt es auch im Distillery District.
Straßenkunst gibt es auch im Distillery District.

Es geht nun immer weiter gen Osten über die Front Street. Foodies können auf dem Weg durch die Hallen des St. Lawrence Market schlendern. Bauern aus der erweiterten Region verkaufen hier Obst und Gemüse aus eigenem Anbau sowie Fleisch und Käse aus eigener Zucht und Herstellung.
Wer noch nicht Mittag gegessen hat, sollte noch eine Weile durchhalten. Über die Trinity Street nach Süden gelangen Spaziergänger direkt ins Distillery District. Das ist aufgrund seiner Architektur und den Backsteingebäuden schön anzusehen ist. Außerdem gibt es etliche Brauhäuser (Touristenpreise) und kleinere Geschäfte, in den Besucher Produkte lokaler Kunsthandwerker erstehen können.

Empfehlung: Arvo Coffee, 17 Gristmill Lane
Kaffeeliebhaber haben hier eine große Auswahl. Außerdem gibt es frisch zubereitete, außergewöhnliche Brotkreationen.

Sugar Beach Park und Harbour Front

Rosa Sonnenschirme im Sugar Beach Park.
Rosa Sonnenschirme im Sugar Beach Park.

Die Parliament Street Richtung Süden trifft auf den Queens Quay, über den Spaziergänger gen Westen zur Harbour Front gelangen. Der Sugar Beach Park mit seinen rosa Sonnenschirmen und weißem Sand liegt auf dem Weg. Hier ist eine Pause möglich. Wer weiter läuft, erreicht das Ferry Docks Terminal. Von hier aus setzen Fähren Locals und Touristen auf die Toronto Islands über. Abfahrt ist je nach Jahreszeit und Uhrzeit alle 15 bis 30 Minuten. Ein Ticket inkl. Rückticket kostet $8,19. Wer die oft lange Wartezeit am Fährterminal umgehen möchte, läuft zurück zum nächsten Anlegeplatz in der Nähe des Sugar Beach Park. Dort setzen kleinere Boote für $10 auf die Insel über. Wer später mit den kleinen Booten zurück möchte, zahlt nochmals $10. Die Fähre nimmt alle Passagiere kostenlos mit zurück.

Abend: Toronto Islands

Von den Toronto Islands aus haben Besucher einen wundervollen Blick auf die Metropole.
Von den Toronto Islands aus haben Besucher einen wundervollen Blick auf die Metropole.

Die Inseln gleichen einem riesigen Picknickplatz mit Freizeitpark, Strand und Attraktionen. Vom Ufer aus haben Spaziergänger einen unbeschreiblichen Blick auf die Skyline der Millionenmetropole. Es gibt ein Restaurant, das jedoch eher touristisch ist. Kleinere Wurstbuden am Wegesrand bieten frisch Gegrilltes an. Und Eis gibt’s auch. Hier lassen sich die letzten Sonnenstrahlen genießen, bevor es mit der Fähre zurück aufs Festland geht.

Viel Andrang amStand an der nördlichen Seite der Toronto Islands.
Viel Andrang am Strand an der nördlichen Seite der Toronto Islands.

Spaziergang in Zahlen:
21 Kilometer
34.336 Schritte

Empfehlung:
Gutes Schuhwerk mitnehmen und Wasser in wiederbefüllbaren Flaschen. Wasserspender gibt’s an vielen Orten in der Stadt.

Öffentliche Verkehrsmittel:
Es gibt ein gutes Netz aus Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen. Die Bezahlung der Tickets habe ich als eher unübersichtlich empfunden. Mit der sogenannten Presto-Card können Besucher ein Tagesticket kaufen. Einzelfahrten sind ebenfalls möglich. In den modernen Trams zahlen Reisende am Automaten an der Haltestelle. In alten Trams muss beim Fahrer bezahlt werden – am besten passend, denn hier gibt’s kein Wechselgeld. Wer auf einer Fahrt von der einen zur nächsten Tram umsteigt, braucht ein Transfer-Ticket. Ohne wird erneut der volle Ticketpreis nötig.

Über Toronto
⦁  Hauptstadt von Ontario
⦁ 2,8 Millionen Einwohner
⦁ die größte Stadt Kanadas
⦁ Wirtschaftlich geht es Toronto seht gut – auch aufgrund der Banken.
⦁ Toronto hat etwa 250.000 Immigranten pro Jahr. Das macht die Stadt schön multi-kulti.

Fun Facts

  1. In Toronto gibt es zwei Jahreszeiten: Winter und Bauarbeiten-Zeit.
  2. Das Verkehrsaufkommen auf Torontos Straßen und auch dem Highway ist extrem hoch. Täglich gibt es viele Staus. Die Verwaltung hat deshalb „High Occupancy Vehicle Lanes“ ins Leben gerufen. Auf dieser Spur dürfen Autos nur fahren, wenn mindestens zwei Personen darin sitzen. Carpools zu bilden ist deshalb sehr beliebt, denn auf der Spezial-Spur sind Autos immer schneller unterwegs. Um die Regeln zu umgehen, kommen manche Menschen auf, sagen wir, interessante Ideen. Manche fahren ihre Hunde spazieren und glauben, dass sie ja damit auch zu zweit im Auto sind, um die Schnellspur nutzen zu können. Andere setzen Gummipuppen auf den Beifahrersitz. Die wohl kurioseste Idee: Ein Babysitz, in dem eine Wassermelone mit Hut sitzt. 😀

2 thoughts on “Toronto in einem Tag – ein Spaziergang

  1. Liebe Frau Kuhl,
    gespannt habe ich Ihren Blog bis hierher gelesen! Sehr beneidenswert – ich freue mich, wenn ich wieder Zeit zum Lesen finde und Ihr Abenteuer weiter verfolgen kann.
    Sie scheinen keine Geocacherin zu sein. Ich – als leidenschaftliche Geocacherin siniere grade darüber, welche (digitalen) Ländersouvenirs Sie erhalten würden – seufz. Ich habe geocaching vor einigen Jahren entdeckt und nutze es speziell im Urlaub, um interessante Orte ausfindig zu machen. Insbesondere „Earthcaches“ und „Virtuals“ führen einen in fremden Ländern zu manchem Geheimtipp, da sie von ortskundigen Ownern gelegt werden! Vielleicht eine Anregung 🙂
    Weiterhin gute und sichere Reise!
    Herzliche Grüße
    Dorothée Scriba

    1. Vielen Dank für Ihre guten Wünsche, liebe Frau Scriba. Geocacherin bin ich tatsächlich nicht. Aber das ist eine gute Anregung. Ich lese mich mal ein. Herzliche Grüße!

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