Especially on small family farms the relationship between farmers and animals is close.

Mord auf dem Bauernhof

Gesehen habe ich die Mörder nie. Und auch ein Urteil gab es nicht. Aber die Opfer waren da. Mal furchtbar zugerichtet, mal spurlos verschwunden. Wer die Mörder waren, wussten wir dennoch immer: Raben, Kojoten, Ratten, Hühner, Hunde und Katzen.

Fall 1: Bill auf Keppel Croft verlor einen Großteil seiner kleinen Enten an Ratten. Die hatten die kleinen gelben Federknäuel wortwörtlich zum Fressen gern. Ich möchte hier nicht allzu konkret werden, aber die sterblichen Überreste waren, sagen wir, unansehnlich.

Fall 2: Ein paar Hühner hat Bill ebenfalls verloren. An Raben oder Kojoten – der Mörder konnte nicht identifiziert werden.

Fall 3: Ein verhinderter Mord. Während wir gemütlich bei Kaffee und Kuchen im Garten saßen, sprang urplötzlich der Familienkater aus dem Gebüsch – zwischen den Zähnen ein noch zappelndes Streifenhörnchen. Bill konnte das Kleine gerade noch retten. Puh!

Fall 4: Gabriel in Alberta verlor nahezu die Hälfte seiner Perlhühner. Aus Sorge, sie könnten einem Kojoten zum Opfer fallen, hatte er sie für eine Weile im Stall gelassen. An einem besonders schönen und warmen Sommertag ließ er sie hinaus. Schließlich laufen die Tiere besonders viel und gerne – in diesem Fall in die Fänge eines Kojoten. Das aber unfreiwillig. Die Perlhühner verschwanden spurlos. Nicht eine einzige Feder konnte Gabriel im Umkreis ausmachen. Der Mörder hatte seiner Spuren gut verwischt.

Fall 5: Tagelang hat Gabriel eine werdende Perlhuhnmutter besonders gut beobachtet und war überglücklich, als sich ein Perlhuhnkind nach dem anderen durch seine Eierschalen pickte. Mutter und Kinder bekamen eine ruhige Ecke im Schuppen, damit sie sich erholen konnten. Problem: Die Mutter fand das offenbar ziemlich nervig. Sie pickte einigen Kleinen ihre oberen Schnäbel ab und ließ sie wüst zugerichtet zurück. Zunächst konnten sie noch Futter aufnehmen. Ob sie überlebt haben, entzieht sich meiner Kenntnis.

Für Raubtiere wie Kojoten sind Hühner eine leckere Mahlzeit.
Für Raubtiere wie Kojoten sind Hühner eine leckere Mahlzeit.

Fall 6: Wir alle wussten, dass wir ein besonderes Auge auf Hund Bella haben mussten. Schon des Öfteren hatte sie sich an die Hühner herangepirscht und beobachtete diese auch aus der Entfernung ganz genau. Sofern einmal niemand zuhause war auf dem Hof an der Ostküste von Vancouver Island, wurde sie angekettet – an einen schweren Schrank im Wohnzimmer oder draußen im Garten. Wie es Bella geschafft hat, sich an einem Tag loszureißen, wissen wir nicht. Klar ist aber: Sie hat acht von zwölf Hühnern erwischt. Die Spurensuche war erfolgreich. Auch an dieser Stelle keine weiteren Details zum Tatort…

Ganz so lustig ist das nicht
Was hier vielleicht ein klein wenig lustig aufbereitet ist, ist tatsächlich dramatisch für die Farmer – insbesondere auf kleinen Höfen. Da zählt jedes Tier, wenn es darum geht, Eier fürs Frühstück zu haben oder sie gar zu verkaufen. Und auch, wenn es sich um Nutztiere (ein furchtbares Wort…) handelt, ist die Verbindungen zwischen dem Farmer, der täglich für Wasser, Futter und einen sauberen Stall sorgt, und den Tieren eng.

Dass in landwirtschaftlichen Betrieben Tiere sterben – was auch immer die Ursache sein kann – war mir klar. Dass die Gefahr durch Raubtiere so groß ist, hatte ich zugegebenermaßen nicht so ganz auf dem Schirm. Wer einen Bio-Hof betreibt und Tiere deshalb nicht eingeengt in Käfige, sondern freilaufen lässt, ist den Gesetzen der Natur unterworfen. So bleiben die Tiere Teil der natürlichen Nahrungskette – und damit manchmal eben auch Opfer von Raubtieren, die nicht anders können als ihrem natürlichen Instinkt nachgehen.

Diese kleinen Entlein hatten Glück. Ihre Geschwister sind einem Raubtier zum Opfer gefallen.
Diese kleinen Entlein hatten Glück. Aber ihre Geschwister sind einem Raubtier zum Opfer gefallen.

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