Scurry on the honeycomb.

Imkerei – God save the Queen, oder: Eine für alle und alle für das Bienenvolk

Imkeranzug, Handschuhe und ab in den Bienenstock. Während meines Wwoof-Aufenthalts in Alberta war ich Teil einer Bieneninspektion und konnte mich den Bienenstöcken nähern. Eine sehr lehrreiche Erfahrung.

Drohnen haben nur einen Lebenszweck: Sex mit der Königin zu haben und dann zu sterben. Wenn die Königin sie nicht ran lässt – sie ist wählerisch – fliegen sie zurück zu ihrem Bienenstock. Aber spätestens am Ende der Saison, wenn die Bienen ihr Zuhause für den Winter fertig machen, werden Drohnen aus dem Bienenstock geworfen. Es gibt Honig nur für Arbeiter und die Königin. Nichts für faule Drohnen.

Guy Fletcher, mein Gastgeber bei meinem dritten Farmaufenthalt als Wwoofer in Kanada, hat sich nie wirklich für Bienen interessiert. Sein Sohn Paul bat um einen Bienenstock. Er liebt Käfer. Heute sind die vier Bienenstöcke Guys Babys. Und dieses Jahr ist er besonders stolz: Eine seiner Kolonien hat es geschafft, eine eigene Königin zu produzieren, wie wir bei einer gemeinsamen Bieneninspektion herausfanden.

„Ohne eine Königin gibt es keinen Bienenstock.“
– Guy Fletcher

„Ohne eine Königin gibt es keinen Bienenstock“, sagt Guy. Eine junge Königin verlässt zuerst den Bienenstock, um sich zu paaren. Sie braucht zehn bis 14 Tage und paart sich mit etwa 20 verschiedenen Drohnen, den männlichen Bienen. Dies sichert die genetische Vielfalt. Danach verlässt sie den Bienenstock nie mehr. Die Arbeiterinnen tun alles, um ihre Königin zufrieden zu stellen. Füttern sie, sammeln Honig, bewachen den Bienenstock, kümmern sich um die jungen Bienen, bringen Wasser in den Bienenstock und tragen tote Bienen hinaus. Die Königin bleibt, bis sie stirbt. Sie wird bis zu fünf Jahre alt. Aber normalerweise legen Königinnen nicht gut, wenn sie älter werden, erklärt Guy. Dann ersetzt der Imker die Königin, indem er bei einem anderen Imker eine neue kauft.

Gut in Schutzanzüg verpackt suchen Guy und Paul nach der Königin. Ohne Königin kann ein Volk nicht überleben.
Gut in Schutzanzügen verpackt suchen Guy und Paul nach der Königin. Ohne Königin kann ein Volk nicht überleben.

Guy und Paul überprüfen die Bienenstöcke ungefähr alle zehn bis 14 Tage, um sicherzustellen, dass es den Bienen gut geht. „Ich habe gerade eine neue Königin in diesen Bienenstock gesetzt“, sagte Guy über den größten Stock. „Es hat nicht geklappt“, sagte er. Die Königin starb aus irgendeinem Grund oder wurde vom Bienenstock nicht akzeptiert. Aber die Arbeiterinnen sind schlau. Die Königin hat ein besonderes Pheromon. „Wenn das Pheromon-Level sinkt, weiß der Bienenstock, dass es keine Königin mehr gibt“, erklärt Guy. Dann treten die Arbeiterinnen in Aktion. Sie bauen längere Zellen, die Königinzellen. „Wir haben sieben davon gezählt“, sagte Guy über ihre letzte Inspektion. Die Arbeiterinnen füttern nur diese neuen Bienen Gelée Royale, Bienenköniginnenfuttersaft. Dies gibt ihnen das Potenzial, eine Königin zu werden. Wenn die kleinen Bienen nur Nektar und Pollen bekommen, werden sie Arbeiterinnen.

Bienen retten unser Leben

Wildes Wuseln auf den Waben.
Wildes Wuseln auf den Waben. Wenn ich richtig sehe, ist die Königin heller gefärbt und befindet sich ziemlich genau in der Mitte des Bildes.

Dies ist ein recht komplexes Verfahren und ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen. Guy wäre jedoch fast durchgedreht, als er während unserer Inspektion herausfand, dass es eine neue Königin gibt. Paul entdeckte sie sofort, nachdem Guy einen der Holzrahmen mit Waben aus der Kiste genommen hatte. Sie ist etwas länger und größer als normale Bienen. Welch ein Gewusel.

Während wir in unseren Bienenanzügen dastanden und versuchten, nicht gestochen zu warden habe ich Folgendes gelernt und ist mir bewusst geworden:

    1. Bienen retten unser Leben. Seit Guy und Paul ihre eigenen Bienen haben, tragen ihre Obstbäume mehr Früchte. „Wir bekommen mehr Himbeeren. Früher habe ich die Kürbispflanzen bestäubt. Die Bienen kümmern sich jetzt darum.“ Außerdem hat Guy versucht, Pflanzen anzubauen, die Bienen mögen, damit sie durch die große Nahrungsvielfalt stärker werden und mehr Honig produzieren können. Was er hier erklärt, können wir auf unser gesamtes System übertragen. Bienen leiden unter Pestiziden, Parasiten und einer unausgewogenen Ernährung. Wenn sie keine große Pflanzenvielfalt bekommen, werden sie schwach und sterben schließlich. Keine Bienen, keine Blüten, keine Pflanzen und langfristig weniger Nahrung. Bienen produzieren nicht nur Honig, sie halten unser Ökosystem am Laufen. Darüber gibt es ganze Aufsätze und wissenschaftliche Untersuchungen, und ich habe ehrlich gesagt keine Lust, zu sehr ins Detail zu gehen. Es ist einfach zu komplex. Bienen retten unser Leben. Das bringt es wohl auf den Punkt.
    2. Am interessantesten fand ich, wie die Bienen zusammenleben. Guy erklärte: “Es geht nicht um die einzelne Biene. Es geht um die Kolonie. Sie sterben, wenn sie stechen. Sie stechen, um die Kolonie zu beschützen.” Ich wünschte, wir Menschen würden diese Haltung ein wenig übernehmen. Weg vom Ego-Denken, mehr zum Gemeinschaftsgefühl. Wir sind alle irgendwie miteinander verbunden. Was immer der Einzelne tut, wirkt sich immer auf andere aus – sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Nur gemeinsam sind wir stark genug, das zu schützen, was uns wichtig ist – wie die Bienen, die ihre Kolonie schützen.

Die Imkerei ist eine verantwortungsvolle Aufgabe

Ganz schön viel Flugverkehr. Nach der Inspektion setzt Guy die Holzkisten mit den Wabenrahmen wieder aufeinander.
Ganz schön viel Flugverkehr. Nach der Inspektion setzt Guy die Holzkisten mit den Wabenrahmen wieder aufeinander.

Und noch etwas habe ich gelernt: Imker zu sein, ist eine Aufgabe von großer Verantwortung. Es geht nicht nur darum, Holzkisten in den Garten zu stellen und Honig zu ernten, wenn es soweit ist. „Ich habe Bienen, um Pflanzen zu bestäuben. Honig ist in erster Linie Bienenfutter “, erklärte Guy. Er hält immer genug im Stock für den Winter. Im Winter packt er seine Bienenstöcke ein. Bienen brauchen dann mehr Energie, um den Bienenstock warm zu halten. Durch die Bewegung ihrer Flügel halten sie die Temperatur im Stock bei etwa 30 °C. Im Winter kann es in Alberta bis zu 40 °C unter Null kalt werden. „Unsere Bienen haben es geschafft“, sagte Guy und war definitiv stolz.

Es geht aber nicht nur darum, sie im Winter warm zu halten. „Wenn der Bienenstock zu voll wird, beschließt die Königin zu schwärmen.“ Sie lässt Königinnenzellen bauen. Bevor die neue Königin schlüpft, fliegt die alte mit der Hälfte der Arbeiterinnen aus, um eine neue Kolonie aufzubauen. Wenn ein Bienenstock zu voll wird, muss der Imker ihn aufteilen: „Ich muss aber auf den richtigen Zeitpunkt achten. Ich möchte den Honigfluss nicht verpassen.”

Winterbienen begegnen niemals Sommerbienen

Am Eingang zum Bienenstock herrscht während der Saison Hochbetrieb.
Am Eingang zum Bienenstock herrscht während der Saison Hochbetrieb.

Die Bienenzucht in Alberta ist anders als in anderen Teilen der Welt – wegen des Winters.
Die Saison ist kurz. Guy glaubt zu wissen: „Pro Jahr produzieren wir mehr Honig als in Kalifornien, aber in kürzerer Zeit – weil die Saison so kurz ist, aber die Tage länger.”

Und noch eine interessante Sache: Winterbienen treffen nie auf Sommerbienen. Sommerbienen leben fünf bis sechs Wochen, Winterbienen fast ein halbes Jahr. Sie verlassen ihren Stock zum ersten Mal nach dem Winter im Februar, wenn sie bemerken, dass es wärmer wird. Dann legt die Königin Eier. Löwenzahn ist die erste Nahrung der Bienen. Und manchmal muss Sohn Paul Bienen retten, wenn sie bei den ersten Sonnenstrahlen herauskommen. Denn wenn sie den Schnee vor dem Stock berühren, sterben sie.

Das da links bin ich im Bienenanzug. Gemeinsam mit Guy und Paul suche ich nach der Königin.
Das da links bin ich im Bienenanzug. Gemeinsam mit Guy und Paul suche ich nach der Königin. Foto: Nadine Fletcher

Fun Fact: Bevor wir mit der Inspektion beginnen konnten, hat Guy die Bienen eingeräuchert. Das macht sie ruhiger, damit sie nicht stechen. Anscheinend nicht lang genug. Für die nächsten Tage kam ein lautes und aggressives Summen aus einem der Bienenstöcke und hat sich über den Garten ausgebreitet. Wann immer wir beim Unkraut jäten zu nahe an den Stock kamen, verfolgten uns die Bienen. Sie wollten einfach nicht gestört werden. Zum Glück ist niemand gestochen worden – außer Guy. Eine Biene fand ihren Weg in seinen Bienenanzug.

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