Suranat bei der Arbeit - Leder ist sein Material.

„Die richtige Zeit wartet auf Dich“

Eigentlich wollte ich in Suranats Workshop nur lernen, wie man mit Leder arbeitet. Ein kleines Geldtäschchen sollte am Ende der drei Stunden fertig sein. War es auch. Aber ich bekam noch viel mehr: Suranat hat mir erzählt, wie er durch einen Wink des Universums seine Berufung fand. Dies ist seine Geschichte.


Familie und Freunde hielten Suranat für verrückt, als er seinen Job kündigte. Jahrelang hatte er als Maßschneider gearbeitet, wunderbare Abendkleider designt und genäht. Aber er war nicht mehr glücklich. Die Arbeit habe ihm nicht mehr so viel Spaß gemacht wie früher. Der heute 48-Jährige fand, dass es an der Zeit war, dass sich etwas ändert in seinem Leben.

2010 ging er nach England. Es sei das Paradies, glaubte er damals. „Ist es nicht“, lernte er schnell und besann sich zurück auf seine Heimat Chiang Mai. Dennoch wollte er nicht da weitermachen, wo er vor seiner Reise aufgehört hat. Gemeinsam mit seinem Partner, einem Briten, beschloss er, einen Coffeeshop zu eröffnen. Suranat besuchte Bäckerei-Kurse, eignete sich nötiges Wissen an – und musste sich dann eingestehen, dass beide, er und sein Partner, kein Fachwissen im Gastronomie-Bereich haben. Und, dass es schon etliche solcher Coffeeshops in Chiang Mai gibt. Einen weiteren zu eröffnen ohne das nötige Fachwissen? Eine Idee, die schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt war. Suranat war realistisch. Und enttäuscht.

Suranat zeigt mir, wie ich den Kleber auf den Lederrändern anbringen muss, damit nichts verrutscht.
Suranat zeigt mir, wie ich den Kleber auf den Lederrändern anbringen muss, damit nichts verrutscht.

Ein Anruf seines Bruders sollte dann alles ändern. Er machte Suranat auf den Werkstoff Leder aufmerksam. „Es gibt da diese Firma in Bangkok“, sagt er ihm. Sie suchten jemanden, der in Chiang Mai Leder für sie verkauft. Suranat dachte damals nur kurz nach. Wieder für jemand anderen zu arbeiten kam für ihn nicht mehr in Frage. Aber mit Leder zu arbeiten – das war gar nicht so weit weg von der Maßschneiderei.

Suranat begannt zu üben, sich mit dem neuen Werkstoff und Verarbeitungstechniken vertraut zu machen. Eine Tasche war sein erstes Projekt. Und dann ging alles ganz schnell. Ein Projekt namens „Hand Made Chiang Mai“ suchte nach neuen Künstlern in der Stadt. Suranat bewarb sich, wurde Teil des Projekts. „Das ging von Null auf Hundert“, sagt er. Seitdem verkauft er seine handgemachten Lederwaren aller Art in seinem kleinen Atelier etwas außerhalb der Altstadt. „Der Anruf meines Bruders war ein Wink des Universums“, sagt der 48-Jährige heute. Er hat gelernt: „Die richtige Zeit wartet auf Dich.“

PS: Während Suranat mir all das erzählt hat, habe ich fleißig an meinem Ledermäppchen gearbeitet. Das Ergebnis seht ihr unten.

Zuerst fertigen wir eine Schablone an.
Zuerst fertigen wir eine Schablone an.
Suranat zeigt mir, wie ich das Leder schneiden kann, ohne dass unschöne Ecken entstehen.
Suranat zeigt mir, wie ich das Leder schneiden kann, ohne dass unschöne Ecken entstehen.

 

Mit dem Hammer und einem speziellen Werkzeug steche ich die Löcher vor, durch die ich später das Garn fädele. Foto: Suranat Leather Studio
Mit dem Hammer und einem speziellen Werkzeug steche ich die Löcher vor, durch die ich später das Garn fädele. Foto: Suranat Leather Studio
Mit Nadel und einem mit Bienenwachs beschichteten Garn nähe ich die Lederteile zusammen.
Mit Nadel und einem mit Bienenwachs beschichteten Garn nähe ich die Lederteile zusammen.
Fertig. :-)
Fertig. 🙂
Suranat und ich mit dem fertigen Mäppchen. Foto: Suranat Leather Studio
Suranat und ich mit dem fertigen Mäppchen. Foto: Suranat Leather Studio

 

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